Umwelt-Produktdeklarationen /
Environmental Product Declaration (EPDs)

Nachhaltigkeit

Die Planung und der Bau von nachhaltigen Gebäuden sind für die Erschaffung einer intakten, nachhaltigen Struktur unerlässlich. Mit der neuen europäischen Bauprodukteverordnung von 2013 sind neue Grundanforderungen zum Ressourcenmanagement und Klimaschutz in Kraft getreten. Die Intention ist dabei, möglichst alle Auswirkungen – kurzfristige und vor allem langfristige – zu berücksichtigen. In dem Bestreben, die Errichtung nachhaltiger Gebäude zu unterstützen, hat der Industrieverband Klebstoffe e.V. in einem gemeinschaftlichen Projekt mit der Deutschen Bauchemie e.V., dem Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie e.V. und dem Institut für Bauen und Umwelt e.V. (IBU) ein Bewertungssystem entwickelt, mit dem die Umweltwirkungen von Baustoffen beurteilt werden können. Dies wird ermöglicht durch die Entwicklung von EPDs (Environmental Product Declarations), welche die Umwelteigenschaften eines Produkts auf normativer Basis, neutral und transparent offen legen.

Da die Auswahl bestimmter Rohstoffe wesentlich von der zukünftigen Verwendung des Bauprodukts abhängt, ist es allerdings nicht möglich, ein Produkt isoliert und unabhängig von seinem Einsatzzweck zu bewerten. Somit ist eine reine Baustoffbewertung für die Deklaration nicht ausreichend – der gesamte Lebenszyklus eines Produkts muss analysiert und in Bezug auf international vereinbarte Umweltwirkungen berechnet werden. Bewertet werden Aspekte von der Rohstoffgewinnung, über die Herstellung und Verarbeitung, bis hin zum Recycling, auch sämtliche Energie- und Transportaufwendungen sowie ungewollte emissionsbedingte Umweltausschläge. EPDs bekunden also die Umweltqualität eines Bauprodukts auf der Basis einer einheitlich kalkulierten Ökobilanz. Damit leisten EPDs einen wesentlichen Beitrag zur Bewertung nachhaltiger Gebäude, indem sie für das jeweilige Bauprodukt einen Nutzungszusammenhang zum Gebäude herstellen, ohne den sich die ökologische Qualität von Produkten nicht vergleichen lässt.

Jede fertiggestellte EPD wird von einem externen, unabhängigen Sachverständigenausschuss kritisch überprüft, der sich aus Experten aus Wirtschaft, Umwelt- und Baubehörden, Prüfeinrichtungen und Umweltverbänden zusammensetzt. Hierdurch werden produktgruppenspezifische Anforderungen und Nachweise bewertet und zertifiziert. Gleichzeitig wird gewährleistet, dass eine konforme Entwicklung der Programmregeln des IBU zur internationalen Normung stattfindet. Nur nach einheitlichen, konsistenten Regeln können EPDs durch hohe Aussagekraft und Glaubwürdigkeit einen Standard etablieren. Dadurch tragen sie nicht nur zur nationalen und internationalen Positionierung der Bauproduktehersteller bei, sondern sind auch als grundlegende Branchenlösung für das nachhaltige Bauen anerkannt.

Bauprodukte an sich sind nicht nachhaltig. Sie können es als solche prinzipiell nicht sein, da ihre Herstellung immer mit dem Verbrauch von Rohstoffen und Energien einhergeht. Dennoch liefern Bauprodukte einen wesentlichen Beitrag zur Nachhaltigkeit von Gebäuden, wenn diese z.B. vor Witterungseinflüssen oder Wärmeverlusten geschützt werden. Dadurch verbessert sich die Nutzungsdauer und/oder die Energiebilanz des Gebäudes und es können langfristig Unterhalts- und Sanierungskosten gespart werden.

Der Bau- und Immobilienbranche wird häufig vorgeworfen besonders energie- und ressourcenintensiv zu sein. Daher sind die Schonung von Ressourcen und die Verringerung des Energieverbrauchs die Prädikate des nachhaltigen Bauens. Die Herstellung emissionsarmer und schadstoffarmer Produkte und die fachgerechte, handwerkliche Verarbeitung führen dazu, dass Bauprodukte einen substantiellen Anteil an der Nachhaltigkeit eines Gebäudes haben. Durch die Vorbeugung und Vermeidung von Schäden, frühzeitiger Abnutzungserscheinungen und Instandhaltungsarbeiten tragen Bauprodukte sogar entscheidend zur Nachhaltigkeit und Qualität eines Gebäudes bei.