Umwelt-Produktdeklarationen /
Environmental Product Declaration (EPDs)

Wozu EPDs?

Informationsfilm des IBU
(Institut Bauen und Umwelt e.V.)

 

Nachhaltiges Bauen

Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Wohnungswesen hat in seinem Leitfaden nachhaltiges Bauen die prinzipiellen Aspekte einer ganzheitlichen Betrachtung von Gebäuden über den gesamten Lebenszyklus – das heißt von der Beschaffung der Baustoffe, bis hin zur Wiederverwertung des Abbruchs – dargestellt.
Nachhaltiges Bauen verlangt, dass alle drei Aspekte – Ökonomie, Ökologie und Soziales – in allen Lebensphasen eines Gebäudes ausgewogen berücksichtigt werden. Die Grundlagen zur Vermeidung schädlicher Wirkungen werden bereits in der Planung gelegt. Unter anderem sind diese:

  • Bedarfshinterfragung
  • Schonung von Naturräumen durch flächensparendes Bauen
  • Verbrauchsminimierung bezüglich Energie und Betriebsmitteln
  • Lange Nutzung von Gebäudeteilen und Gesamtgebäude
  • Einsatz wiederverwendbarer, recyclingfähiger, bzw. wiederverwendeter, recycelter Bauprodukte
  • Kurze Transportwege bei Bau und Betrieb
  • Gute Rückbaufähigkeit

 

 

Bauprodukteverordnung 2013

Im April 2011 wurde die neue europäische Bauprodukteverordnung (EU) Nr. 305/2011 zur Festlegung harmonisierter Bedingungen für die Vermarktung von Bauprodukten verabschiedet. Damit wurde die über 20 Jahre alte Richtlinie 89/106/EWG – die Bauprodukterichtlinie vom 21.12.1988 – ersetzt. Wesentliche Teile der neuen Verordnung traten am 1. Juli 2013 in Kraft. Lautete die bisherige Begriffsführung „Wesentliche Anforderungen“, so ist die neue Formulierung „Grundanforderungen an Bauwerke“ noch um den Punkt Nr.7 erweitert worden, die „Nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen“. Umweltproduktdeklarationen (EPDs) informieren über die Umweltauswirkungen eines Bauprodukts und leisten damit einen wesentlichen Beitrag zur Bewertung von Gebäuden.

 

 

Umweltproduktdeklaration (EPD)

Umweltproduktdeklarationen bilden die Datengrundlage für die ökologische Gebäudebewertung nach DIN EN 15978 Nachhaltigkeit von Bauwerken – Bewertung der umweltbezogenen Qualität von Gebäuden – Berechnungsmethode.
Die Grundsätze und Verfahren zur Erstellung von Typ III Umweltdeklarationen für Produkte (EPD) sind in ISO 14025 enthalten und erfassen alle Sektoren: Ökobilanzierung nach ISO 14040/44 als modularer Ansatz zur Erfassung von 17 Einflussfaktoren über den gesamten Lebenszyklus, Festlegung der spezifischen Anforderungen für definierte Produktgruppen in einem PCR-Dokument, überprüft durch unabhängige Dritte und dem Grundsatz der unabhängigen Verifizierung.

 

 

EPD-Branchenlösung des IVK

Vor allem kleinere und mittlere Unternehmen haben meist wenig Erfahrung mit Ökobilanzen, auch wenn auf dem Markt Rechenprogramme angeboten werden. Der Industrieverband Klebstoffe e.V. hat sich deshalb gemeinsam mit anderen Verbänden zur Erarbeitung einer anwenderfreundlichen und kostengünstigen Branchenlösung entschlossen und mit PE International ein erfahrenes, international marktführendes Beratungsunternehmen als Projektpartner gewinnen können.
Die Branchenlösung besteht aus sogenannten Muster-EPDs, die nach den Vorgaben der relevanten Produktkategorie-Regeln (PCR) erstellt wurden. So gibt es für die Kategorie Produkte auf Reaktionsharzbasis fünf EPDs für Epoxidharze und weitere fünf für Produkte auf Polyurethan- und/oder SMP-Basis. Die Kategorie Modifizierte mineralische Mörtel wird durch nur drei EPDs vollständig beschrieben. Für Dispersionsgebundene Produkte wurden insgesamt sechs EPDs erstellt, wovon für Klebstoffhersteller und –anwender allerdings nur zwei relevant sein dürften. Vier EPDs beziehen sich ausschließlich auf Innenwand und Fassadenfarben.
Inhaltlich bestehen die einzelnen EPDs aus Modulen, durch die alle denkbaren Anwendungsfälle beschrieben werden, in denen Bauprodukte üblicherweise Verwendung finden. Wem diese Dokumente zu „sperrig“ sind und wer nur eine spezielle Produktanwendung betrachtet haben will, für den wurden die übergeordneten Muster-EPDs heruntergebrochen auf die einzelnen Anwendungsmodule. So kann ein Parkettleger, der eine EPD für seinen Parkettklebstoff benötigt, in der Rubrik „Reaktionsharzklebstoff auf Polyurethanbasis“ das Dokument „Produkte für das Kleben von Parkett und Bodenbelägen“ aufrufen und im PDF-Format downloaden oder ausdrucken.

 

 

Individualisierung von EPDs

Die Mitglieder der am Gemeinschaftsprojekt beteiligten Verbände haben die Möglichkeit, die neutralen Branchen-EPDs auf einfache und kostengünstige Weise zu individualisieren, d.h. sie mit dem eigenen Produkt- oder Markennamen und der Firmenbezeichnung zu versehen. Die Inhalte der EPD dürfen dabei allerdings nicht verändert werden. Die Individualisierung von Branchen-EPDs durch die Hersteller ist daher in erster Linie als ein interessantes Marketinginstrument zu verstehen. Zur Individualisierung muss ein Hersteller allerdings Mitglied beim IBU werden.

 

 

Produktkategorie-Regel (PCR)

In PCR-Dokumenten werden spezifische Anforderungen für definierte Produktgruppen festgelegt. PCR-Dokumente sind die Basis für die Erstellung von produktbezogenen EPDs. Im Fall des branchenübergreifenden Bewertungssystems des IVK sind drei unterschiedliche PCRs relevant. Jedes Dokument beschreibt für die jeweilige Produktgruppe, welche Umweltindikatoren für die Ökobilanzierung herangezogen werden müssen und liefert die Berechnungsgrundlage für die EPDs. Die Basis der PCR-Dokumente bilden die ISO 14025 und EN 15804.
Die Zuordnung eines individuellen Bauprodukts zu der entsprechenden Muster-EPD erfolgt durch den Hersteller in Eigenverantwortung. Der Hersteller ordnet dazu in einem ersten Schritt sein Produkt der zutreffenden Kategorie zu. Im zweiten Schritt bewertet er mit Hilfe eines speziellen Leitfadens, zu welcher Muster-EPD das jeweilige Produkt zugeordnet werden darf. Die korrekte Zuordnung kann auch vom IBU in einem zusätzlichen Schritt bestätigt werden, wenn Bedarf für diese Form der Individualisierung besteht.

 

 

EPD-Leitfaden               

Die Umweltauswirkungen eines Produkts und das Ergebnis der Ökobilanzierung hängen von den verwendeten Rohstoffen, den Verfahren zur Herstellung, der Zusammensetzung und einer Vielzahl anderer Faktoren ab. Im Rahmen der hier beschriebenen Branchenlösung wurde daher ein Leitfaden erarbeitet, der es den Herstellern ermöglicht, die chemisch unterschiedlichen Produkte und Rezepturen der zutreffenden Muster-EPD und den darin enthaltenen Datensätzen zuzuordnen.           Zum Leitfaden

 

 

Product Carbon Footprint (PCF)

Der Product Carbon Footprint bezeichnet die Menge der Treibhausgasemissionen entlang des gesamten Lebenszyklus eines Produkts in einer definierten Anwendung und bezogen auf eine definierte Nutzeinheit.
Mit der Entscheidung für die Durchführung eines PCF entscheidet man sich implizit dafür, alle anderen Umweltkategorien, wie etwa Eutrophierung, Luftschadstoffemissionen oder Ressourcenbedarf, außer Acht zu lassen. Bei der Ableitung von Maßnahmen nur auf dieser Basis kann es daher zu Fehlentscheidungen kommen.
Die in den EPDs vorgenommene Umweltbilanzierung geht bewusst deutlich weiter. Aus diesem Grund beinhalten EPDs nicht nur den PCF als Kenngröße für das Treibhauspotential (GWP), sondern viele weitere Kriterien zur Beschreibung ihrer Wirkungen auf die globale und lokale Umwelt.

 

 

PE international              www.pe-international.com

PE International ist ein marktführendens Unternehmen, das sich u.a. auf die Erstellung von Ökobilanzen und Lebenszyklusanalysen (Life Cycle Assessments) spezialisiert hat. PE International verfügt über entsprechende Rohstoffdaten und spezielle Rechenprogramme, die zur Ökobilanzierung von Produkten benötigt werden. Das Beratungsunternehmen besitzt seit Jahren umfangreiche Erfahrungen mit Bauprodukten aus verschiedenen Bereichen. PE International gehörte zu den Gründungsmitgliedern des DGNB.
Die Aufgabe von PE International im Gemeinschaftsprojekt der drei Verbände war es, die Erstellung der Branchen-EPDs fachlich zu begleiten und die benötigten Ökobilanzdaten zur Verfügung zu stellen.

 

 

Institut für Bauen und Umwelt (IBU)                    www.bau-umwelt.de

Das Institut für Bauen und Umwelt ist eine Initiative von Bauprodukteherstellern, die sich entschieden haben der Forderung nach mehr Nachhaltigkeit im Bauwesen gemeinsam zu begegnen. Derzeit ist das IBU in Deutschland die einzige Organisation, die konsequent nach der international bereits abgestimmten Normung 14025 deklariert und so in der Lage ist, normgerechte Umweltdeklarationen vom Typ II zu erstellen. Das IBU unterstützt Branchenlösungen, wie die hier vorgestellte. Die Mitgliedschaft der Verbände beim IBU reduziert die Kosten für die Firmenmitglieder, die die EPD-Branchenlösung nutzen wollen.

 

 

ECO-Plattform                 www.eco-platform.org

Die Umsetzung von Normen in verifizierte Umweltproduktdeklarationen wird derzeit noch stark national oder branchenweise betrieben und ist daher nationalen Programmhaltern vorbehalten. Eine europäische Lösung wird aber von den meist international tätigen Herstellern dringend nachgefragt, um nicht für jedes neue Programm neue Daten zur Verfügung stellen zu müssen. Das IBU hat diesen Bedarf erkannt und die Initiative zu einer gemeinsamen Plattform der europäischen EPD-Programmhalter ergriffen. Im ersten Schritt werden die EPDs und Verifizierungen der nationalen Programmhalter und Mitglieder der ECO-Plattform gemeinsam nachvollzogen, geprüft und wechselseitig anerkannt. Der nächste Schritt der Harmonisierung liegt in der Generierung einer europäischen Kern-EPD, die verpflichtend nur die Angaben aus der EN 15804 als Basis für ein europäisch einheitliches Verifizierungsverfahren enthält. Die Gründung von ECO als legale Körperschaft ist im Juni 2013 erfolgt.

 


Deutsches Institut für Bautechnik (DIBt)                            www.dibt.de

Das DIBt ist die deutsche Zulassungsstelle für Bauprodukte und Bauarten. Das oberste Ziel ist ein sicheres und innovatives Bauen. Es dient der einheitlichen Erfüllung bautechnischer Aufgaben auf dem Gebiet des öffentlichen Rechts. Das DIBt wirkt seit Jahren an der Harmonisierung der Regelungen für Bauprodukte mit, indem es als deutsche Zulassungsstelle europäische, technische Zulassungen erteilt. Ebenso sind Mitarbeiter an der nationalen und europäischen Normung beteiligt und arbeiten in Gremien der europäischen Kommission mit. Durch Ausarbeitung technischer Regeln im nationalen, europäischen und internationalen Bereich wird ein europäischer Binnenmarkt geschaffen. Im Rahmen der Umsetzung der 7. Grundanforderung an Bauwerke (BRCW Nr.7) der europäischen Bauprodukteverordnung (EU) Nr. 305/2011 sieht sich das DIBt berufen in Anlehnung an die bestehenden EPDs „freiwillige“ Zulassungskriterien zu erlassen. Diese Haltung ist rechtlich und politisch sehr umstritten.

 

 

Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB)             www.dgnb.de

Die deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen konstituierte sich 2007 als non-Profit-Organisation der Bau- und Immobilienwirtschaft sowie von Forschungseinrichtungen, die gemeinsam ein Zertifizierungssystem für Gebäude erarbeiteten, das auf den Erkenntnissen der angelsächsischen Zertifikate LEED und BREEAM aufbaut, dabei aber alle Bereiche (Ökonomie, Ökologie und Soziales) erfasst, basierend auf einer ganzheitlichen Betrachtung des gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes. Die DGNB vergibt für Gebäude Nachhaltigkeitszertifikate in Gold, Silber und Bronze.
EPDs enthalten alle für die Gebäudebewertung notwendigen Informationen und Daten in standardisierter Form. Das DGNB hat auf ihrer Homepage eine Produktdatenbank eingerichtet (DGNB-Navigator), in die Bauprodukte und nützliche Herstellerinformationen recherchierbar eingestellt sind. Solche Produkte, für die geprüfte EPDs existieren, werden mit dem DGNB-Navigator-Label ausgezeichnet, das für die Qualität der eingereichten Daten steht.